Donnerstag, 22. Januar 2015

Gruseliger Fotospaß in den Heilstätten Beelitz Part I [Lost Place]

Der Zahn der Zeit nagt förmlich an den leerstehende Gebäuden. Imposante Treppenaufgänge mit riesigen Säulen zieren das Anwesen. Endlose menschenleere Flure sorgen für Gänsehaut. Feine Risse ziehen sich durch die Farbe. Teilweise bröckeln feine Bruchstücke wie Eisschollen von den Wänden. Verfall liegt in der Luft. Langsam und unaufhaltsam. Staubkörner tanzen mit zarten Lichtstrahlen, die sich ihren Weg durch die trüben Glasscheiben ins Innere erkämpfen. Doch das war nicht immer so. Zwischen 1898 und 1930 betrieb die Landesversicherungsanstalt Berlin hier die „Arbeiter-Lungenheilstätten“. Hauptsächlich behandelte die Ärzteschaft in den Beelitz Heilstätten Patienten, die an Tuberkulose litten. Fast jeder dritte Berliner verstarb an dieser heimtückischen Krankheit.


Verloren in den Heilstätten Beelitz


In seiner Gesamtheit ist das riesige Gelände mit ungefähr 200 Hektar nicht zu fassen. Überall grünt es. Dichtes Buschwerk versperrt den Blick. Nördlich der Bahnlinie befanden sich einst die Lungenheilstätten und südlich lagen die Sanatorien für nicht ansteckende Krankheiten, wie Verdauungs-, Stoffwechsel- sowie Herzkrankheiten. In den Heilstätten Beelitz achtete man auf eine strikte Trennung zwischen Mann und Frau. Und das nicht nur bei den Patienten, sondern auch beim Personal.

Während des Ersten Weltkrieges dienten die Heilstätten als Lazarett. Bis zum Jahr 1919 wurden in Beelitz mehr als 12.500 Soldaten verpflegt. Nach dem Krieg stieg die Patientenzahl rasant an. Männliche Patienten mussten sogar an anderen Standorten untergebracht werden. Ab dem Zweiten Weltkrieg diente der Gebäudekomplex erneut als Lazarett. Doch auch der Krieg hinterließ seine Spuren an den Häusern. Viele wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach 1945 erklärten die Sowjets das Gelände zu militärischem Sperrgebiet.

Denkmalschutz mit Ausnahmegenehmigung


Nach der politischen Wende fand der Gebäudekomplex eine Renaissance. Es entstand ein Gesundheitspark mit einer neurologischen Reha-Klinik und einer Klinik für angewandte Immunologie. Heute stehen die 60 Gebäude unter Denkmalschutz. Einige Investoren haben bereits große Pläne. Alleingänge strikt untersagt. Im August 2014 war ich mit einer Kollegin auf gebuchter Fototour in den Beelitz Heilstätten. Ja, ich weiß: Das ist schon ewig her. Aber ich habe mich vor der riesigen Anzahl der entstanden Fotos einfach geziert mit der Bearbeitung anzufangen. In Lightroom waren sie schnell importiert. Und dann hat der selbstkritische innere Schweinehund mich darauf hingewiesen, dass von den Fotos nur eine Handvoll gute dabei sind. Also war die Lust an der Bearbeitung sogleich wieder verschwunden. Doch neues Jahr, neues Glück! In meinem Blogplaner steht, dass ich euch heute den ersten Teil der entstandenen Fotos zeigen werde. Auf geht’s!

Erste Station: Sanatorium der Männer


Verwaltungsgebäude









Badehaus









Männer-Pavillon für 170 Betten








Wie findet ihr Lost Places?

Kommentare:

  1. Sehr coole Location und tolle Fotos/Fotoausschnitte : Es schneit....
    Besonders gruselig finde ich jedoch den alten Zahnarztstuhl (sieht zumindest so aus). Mir kommen da gleich Bilder von "Stalk of the Celery Monster" von Tim Burton in den Kopf... Schöner Ausflug!!!

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    1. Teilweise war es wirklich gruslig. Vor allem in den stockfinsteren Kellern, wo man sich nur mit Taschenlampe orientieren konnte ;)

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  2. schöne gruselige bearbeitung und schöne detailaufnahmen dabei. ^^

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  3. Boahr, richtig schöne Fotos!
    Ich finde Lost Places ja wahnsinnig spannend und würde sowas auch gerne mal fotografieren.
    Sowas ist spannender als jedes Museum! Nimm mich mal mit :)

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    1. Dankefein, ja gern. Es gibt noch so viele Lost Places, die auf ihre Entdeckung warten. Und nur allzu oft wartet dort auch ein Geocache. Den könnten wir dann mitnehmen.

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  4. Wirklich schöne beeindruckende Fotos ... und doch traurig, dass so ein Gebäudekomplex irreparabel verkommt :0(

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